Definition Todesstrafe

Die Todesstrafe ist eine weltweit umstrittene Strafe für ein begangenes Verbrechen, dessen sich jemand für schuldig befindet. Voraussetzung ist ein Gerichtsverfahren. Somit setzt sie ein Gesetz voraus, das die Strafbestände definiert. Inhaftierung, Überführung sowie Verurteilung gehen voraus.
Neben der „legalen“ Todesstrafe gibt es die so genannte „extralegale“ Hinrichtung, wie beispielsweise die Lynchjustiz. Sie gilt im rechtlichen Sinne als Mord. In der Realität allerdings sieht es auch heute noch häufig so aus, dass fehlende, instabile oder diktatorische Regierungen unter Umständen derartige extralegale Hinrichtungen zulassen oder gar selbst veranlassen. Regimegegner, Kriminelle oder Terroristen werden durch Militär, Geheimpolizei oder ähnliche Personengruppen ohne Gerichtsverfahren oder Justizurteil hingerichtet. Mit staatlicher Deckung beruft man sich nicht selten auf „Notwehr“.

Historische Entwicklung

Ursprünglich gab es im Altertum die so genannte „Blutrache“, aus der sich allmählich die Todesstrafe entwickelte. Die Blutrache existierte in vorstaatlichen Gesellschaften, bei denen es erlaubt war, an einem Mörder seitens der Angehörigen des Mordopfers Rache zu nehmen, indem er selber hingerichtet wurde. Diese Form der Selbstjustiz hatte zur Folge, dass wahre Sippen-Kriege entstanden und ganze Sippen teilweise ausgerottet wurden. Nachdem viele Gruppen sesshaft wurden, gründete man eine Art öffentliches Verfahren, bei dem nach Beweisbegründung ein aus der Sippe erwählter „Bluträcher“ das Todesurteil ausführen durfte.

Die meisten antiken Reiche kannten wegen der unsicheren Inhaftierungsmöglichkeiten keinen Arrest als Strafe. Häufig war die Hinrichtung ein öffentlicher Akt zur Unterhaltung des Publikums, der Folterung voranging. Im Römischen Reich wurde die Todesstrafe für besonders schwere Verbrechen wie Verhöhnung der Götter, Landesverrat oder Verwandtenmord vollzogen. 50-300n.Chr. herrschte die Kreuzigung als Hinrichtungsart vor.

Während die Christen zunächst das Töten als Strafe ablehnten, wurde diese Aversion allmählich immer mehr aufgehoben. Die Römisch-Katholische Kirche rechtfertigte zum Beispiel die Todesstrafe an Nichtchristen.

Im Mittelalter nahmen die Hinrichtungen stetig sowohl an Menge als auch an Grausamkeit zu. Kirchliche Inquisition und Hexenverfolgung waren der Schrecken des Spätmittelalters.

Auch in der frühen Neuzeit stiegen – trotz der Bemühen vieler Leute wie Martin Luther – die Hinrichtungszahlen immer mehr. Immer geringere Vergehen wurden mit dem Tode bestraft.

Erst zu Beginn der Neuzeit fanden sich mehr Gegner der Todesstrafe, wie etwa Gotthold Ephraim Lessing. Aber auch viele Befürworter wie Voltaire, Rousseau oder Kant ließen verlauten, dass sie dafür seien, jemanden mit dem Tod zu bestrafen, wenn er getötet habe.

Nach den USA setzte die Französische Revolution erstmals die allgemeinen Menschenrechte durch. Die Todesstrafe durfte nur noch ohne unnötige Grausamkeit ausgeführt werden.

Erst 1985 hob der Deutsche Bundestag die Rechtswirksamkeit der Todesurteile des Volksgerichtshofes generell auf.

Momentane Situation

Laut Informationen von Amnesty International haben derzeit 96 Staaten und Regionen die Todesstrafe abgeschafft. 9 Nationen sehen nur noch Ausnahmefälle als gerechtfertigt für die Todesstrafe an. 29 Staaten haben die Todesstrafe zwar in ihren Gesetzen verankert, verhängen sie auch, doch haben sie seit etwa zehn Jahren kein Todesurteil mehr vollstreckt. Nur noch wenige der restlichen 64 Staaten führen die verhängte Todesstrafe auch tatsächlich aus.

Allein in Saudi-Arabien ließ man bis August 2007 mindestens 122 Verurteilte enthaupten. Auch die VR China, Japan, Pakistan, der Iran sowie 32 Bundesstaaten der USA wenden die Todesstrafe noch regelmäßig an.

Strafbestände

In der Regel werden Todesstrafen meist für Mord verhängt, in manchen Staaten jedoch werden ebenso Bankraub, Entführung, Menschenhandel, Raub mit Todesfolge, Vergewaltigung sowie Drogenhandel und –besitz mit dem Tod geahndet. Wirtschaftliche Verbrechen wie Korruption werden in China mit der Todesstrafe belegt. Ehebruch, Prostitution und Zuhälterei werden ebenso wie Homosexualität in einigen Staaten wie Saudi-Arabien oder Iran mit dem Tode verurteilt. Selbst die Abkehr vom islamischen Glauben wird auch heute noch in Saudi-Arabien und einigen anderen Staaten als todeswürdiges Vergehen angesehen. Im Kriegsrecht sind Landes- und Hochverrat, Spionage und Sabotage sowie Desertation in etlichen Ländern ein Grund für die Todesstrafe.

Exekutionsarten

Es gibt und gab die unterschiedlichsten Formen der Todesstrafe. Während in den früheren Zeiten und unter primitiven Völkern Kreuzigungen, Verbrennungen sowie Steinigungen anstanden, ging man später zu Erhängen oder Enthaupten – beispielsweise mit der Guillotine – oder aber zu Massenhinrichtungen durch Erschießen über. Während der NS-Zeit waren Vergasungen obligatorisch. Die „humanitärere“ Form der Todesstrafe findet sich in den USA, wo die Beschuldigten in der so genannten „Todeszelle“ auf den elektrischen Stuhl oder aber die Giftspritze warten.

Argumente

Meinungen für und gegen die Todesstrafe gaben und gibt es immer. Diese Art der Strafe ist international immer mehr umstritten. Die Todesstrafe steht im grassen Gegensatz zu den Menschenrechten und wirft ethische, rechtliche aber auch praktische Fragen auf.
So ist natürlich in erster Linie anzuführen, dass aus ethischen Gründen kein Mensch das Leben eines anderen Menschen willentlich beenden sollte. Weiterhin muss man damit rechnen, dass es auch Justizirrtümer gibt, da wie bekannt „Irren menschlich“ ist. Abgesehen vom Täter selber muss man sich fragen, wie diejenigen damit umgehen, die eine derartige Strafe entweder verhängen oder gar ausführen. Wie kann es die menschliche Psyche verkraften, über das Leben anderer zu entscheiden? Was die rechtliche Seite angeht, so ist die Todesstrafe keineswegs mit den Menschenrechten vereinbar. Abschließend muss man sich zudem fragen, wie es mit der praktischen Seite des Tötens steht. Welche Weise wäre – wenn überhaupt – gerechtfertigt? Gibt es überhaupt eine schnelle und absolut sichere Methode, das Leben eines anderen Menschen schmerzlos zu beenden? Sicherlich kann man dieses aus dem Grund schon mit Nein beantworten, als die psychischen Schmerzen während des Wartens in den Todeszellen ebenfalls als „Folter“ oder „Qual“ zu bewerten sind.
Befürworter der Todesstrafe führen in erster Linie an, dass die Gesellschaft unabdingbar vor derartigen Verbrechern geschützt werden muss. Ferner sehen sie diese Bestrafung als Abschreckung für potentielle Nachfolgetäter an. Nicht zuletzt sehen sie es als gerechte Vergeltung an, wenn beispielsweise ein Mörder das gleiche Schicksal erleiden muss wie sein Opfer. Auch wirtschaftliche Argumente werden angeführt. So rechnen Fürsprecher der Todesstrafe vor, dass eine lebenslängliche Haft weit mehr Geld kostet als die Hinrichtung.